Google Glass in der DHL Paketzustellung – mein Bachelor-Projekt (nicht: Bachelor-Arbeit).

Google Glass in der DHL Paketzustellung – mein Bachelor-Projekt (nicht: Bachelor-Arbeit).


Universitätsstudium – das klingt für viele total theoretisch. Dabei mache ich fast jeden Tag eine andere Erfahrung: Das Wirtschaftsinformatik-Studium an der Uni Bremen enthält richtig viele praktische Inhalte.

So habe ich in den letzten Monaten zusammen mit 18 Kommilitonen ein gemeinsames Bachelor-Projekt verfolgt, in dem jede Menge Praxis steckte.

Was ist ein Bachelor-Projekt an der Uni Bremen?

Als Wirtschaftsinformatiker arbeite ich ständig in Projekten. Viele Änderungen an IT-Strukturen werden aufgrund der Komplexität und vielen Einflussfaktoren als Projekt durchgeführt. Deshalb wird an der Uni Bremen ein starker Fokus auf studentische Projekte im Studium gelegt.

Bachelor-Projekte an der Uni Bremen haben genau das Ziel: 6 – 18 StudentInnen arbeiten fast ein Jahr lang gemeinsam ein einem Projekt. Insgesamt bringt jeder Einzelne über 500 Stunden ins Projekt ein. Dabei arbeiten die StudentInnen weitestgehend selbstständig, die BetreuerInnen (ProfessorInnen und wissenschaftliche MitarbeiterInnen) leiten an und geben einen Rahmen.

Eine klassische Bachelor-Arbeit schreibe ich trotzdem – davon berichte ich in den kommenden Monaten mehr :)

BoSS – Big Data on Small Screens

In meinem Bachelor-Projekt haben wir uns vom September 2014 – Juni 2015 mit der Google Glass beschäftigt. Uns interessierte, inwiefern betriebliche Entscheidungsprozesse mit der Google Glass unterstützt werden. Daher auch der Name „Big Data on Small Screens“, kurz: BoSS. Betreut wurde das Projekt durch die Arbeitsgruppe Informationsmanagement, vertreten durch Prof. Dr. Andreas Breiter, Dr. Emese Stauke und Jan Broer.

Unser Hintergedanke war: Informationssysteme stehen meist nur am Desktop-PC oder am Laptop zur Verfügung. Insbesondere ältere ERP-Systeme stehen selten mobil zur Verfügung. Wie kann man diese Informationen unterwegs nutzbar machen? Wenn die Hände vielleicht nicht frei sind, um Smartphone, Tablet oder gar einen Laptop zu bedienen? Wie kann die Google Glass hier helfen?

Gemeinsam mit der DHL

Damit das Projekt auch praktischen Nutzen bringt, haben wir uns einen Praxispartner gesucht. Wir hatten das Glück, DHL als Partner gewinnen zu können. So konnten wir untersuchen, wie die Google Glass die Paketzustellung unterstützen kann.

Paketzusteller sind den ganzen Tag unterwegs und stehen trotzdem jederzeit mit den zentralen Softwaresystemen in Kontakt. Sie kennen die Schnittstelle, über die Paketzusteller und Server miteinander sprechen: Der Handscanner, auf dem man beim Paket entgegennehmen unterschreibt.

DHL hat uns dabei mit viel Rat beiseite gestanden. Wir haben ein Paketzentrum besucht, sind mehrere Auslieferungstouren mitgefahren, haben wöchentlich mit IT- und Fachexperten aus Bonn und Darmstadt telefoniert und haben einen Handscanner für die Entwicklung bekommen. DHL hat sogar einen Ableger der Scanner-Software umprogrammiert, damit wir die Verbindung zwischen Google Glass und Handscanner richtig entwickeln konnten.

Mein Anteil am Projekt

Auch wenn ich mit der vardea logistics seit sechs Jahren in der Speditionswelt unterwegs bin, hat das mit der klassischen Paketzustellung bei DHL wenig zu tun. Mich hat die Projektorganisation wesentlich mehr interessiert: 19 StudentInnen, mehrere Ansprechpartner bei der DHL, 1 Professor und zwei wissenschaftliche MitarbeiterInnen gehen mit den unterschiedlichsten Interessen in das Projekt.

Und so habe ich die gesamte Projektzeit über mit zwei anderen Studierenden (die jeweils in verschiedenen Phasen gewechselt haben) schwerpunktmäßig im Projektmanagement gearbeitet. Dazu gehörten unter anderem die Organisation des wöchentlichen Projektplenums, die Überwachung der Projektziele und das Koordinieren der Teilaufgaben und Teilgruppen (insbesondere die Abstimmung zwischen fachlichen Anforderungen & Softwareentwicklung).

Außerdem habe ich mich in unserem wissenschaftlichen Paper um die Auswahl, Anwendung und Auswertung der statistischen Methoden gekümmert. Hier fand ich es richtig spannend, die bisher nur in der Theorie gelernten Methoden auch mal auf praktische Experimentergebnisse anzuwenden. In den Klausuraufgaben durften wir alle möglichen Voraussetzungen annehmen – in der Praxis mussten wir erstmal schauen, was wir eigentlich anwenden dürfen.

Praxisferne? Wohl kaum.

Im Projekt konnten wir das Fazit ziehen, dass die Google Glass an sich geeignet ist, um Zustellprozesse zu unterstützen. Dafür muss die Glass aber konzeptionell von Anfang an in der Prozessplanung berücksichtigt werden, sie lässt sich kaum sinnvoll im Nachhinein einfach in den Prozess reinfrickeln.

Insgesamt war es total cool, echte Projekterfahrung zu sammeln und die gesamte Entwicklung von „Was wollen wir im Projekt eigentlich machen?“ hin zu einer konkreten Handlungsempfehlung für die Praxis mitzumachen. Besonders spannend fand ich die Entwicklung des Teams: Von „die meisten kennen sich kaum“ hin zu „wir haben gemeinsam was geschafft und verstehen uns immer noch gut!“.

Als ich mein Studium angefangen habe, wurde ich von allen Seiten gewarnt: Ist dir das an einer Universität nicht zu theoretisch? Nach mehreren Fallstudien mit Praxispartnern, mehreren Softwareprojekten und nun dem Bachelor-Projekt kann ich sagen: Nö.

Sven Meyer

Geschrieben von: Sven Meyer

Ich bin Sven Meyer und unterstütze Selbstständige, ihr Business auf gesunde Beine zu stellen. Die Kernzutaten: organisiert arbeiten, die richtige Technik und clevere Abläufe. So steht dem Wachstum nichts im Weg!

Bildquelle(n):

Kommentar schreiben: